Themenraum

hier finden Sie Anregungen und Denkanstöße zu interessanten Themen

In dieser Kategorie stellen wir vielfältige Dokumente vieler unterschiedlichster Themen zum Stöbern zur Verfügung.

 

Besonders anregend, neue Gedankenanregungen zu bekommen, sind unsere „Philosophieschnipsel“. Dabei sind es Kurzinformationen rund um die schier endlosen Themen rund um die Philosophie in 2.500 Jahren.

 

Hier zwei philosophische Denkanstöße zur Diskussion aus dem Jahr 2020:

 

Unverfügbarkeit des Daseins

Von Christian Geyer

 

Die Bereitschaft, aus der Pandemie Lehren zu ziehen, aus Corona etwas zu lernen, ist erkennbar ein Ausdruck von Vernünftigkeit, etwa wenn es um die Belastbarkeit des Gesundheitswesens oder um die Zukunft des Städtebaus geht. Von solch vernünftiger Lernbereitschaft ist eine törichte Corona als Lehrmeisterin der Lebensideologie zu unterscheiden, die die Pandemie für noch den kleinsten didaktischen Mehrwert in Anspruch nehmen möchte. Gearbeitet wird dabei mit steilen Lernkurven, die ein Maximum an Lernertrag (Stoffmenge) bei einem Minimum von Lernaufwand (Zeit) versprechen. Ein Meister im pandemischen Magistra-vitae-Genre ist der Soziologe Hartmut Rosa. Er erblickt in Corona eine Werbebotschaft für die Unverfügbarkeit des Daseins, und zwar in einem überraschend eng vom Sein aufs Sollen gezogenen Ableitungswinkel. "In unserer Lebenswelt sind uns Dinge massiv unverfügbar geworden", erläutert Rosa im Deutschlandfunk den lebensdienlichen "Brennglas"-Effekt der Pandemie. "Wir können nicht mehr an unseren Urlaubsort reisen, müssen vielleicht die Hochzeit oder eine Familienfeier absagen. Die Geschäftsreise fällt aus, das Fußballspiel." Und was lernen wir daraus? Vielleicht dies: Kurze Wege als erste Bürgerpflicht? Nicht doch, für Rosa geht es um mehr, ums Ganze des Weltverhältnisses. Aus der Tiefengrammatik der Krise entnimmt er die Einsicht, dass eben nicht alles Wünschbare machbar ist. Die Quarantäne ist, so gelesen, eine willkommene Lernhilfe für das, was jedes Kleinkind zu lernen hat, um sich in der Welt zurechtzufinden: nicht alles in den Mund stecken! Caramba Corona! Wie lebensklug müsste man dann erst in der radikalisierten Quarantäne eines Zuchthauses werden? Für Rosa ist die Pandemie ein Exzess der Bewusstwerdung von gemeinhin nur "hinterrücks" Gewusstem, ein eye opener fürs Naheliegende. "Man kann es sich an sozialen Beziehungen oder Intimbeziehungen gut klarmachen", erklärt Rosa den überhaupt erst von ihm behaupteten Klärungsbedarf. "Also", hebt er als didaktischer Krisengewinnler an, den Wert des Unverfügbaren empirisch herunterbrechend, "wir können eigentlich nur Menschen lieben - oder wir lieben Personen dann -, wenn sie uns nicht völlig verfügbar sind. Das, was da zwischen Menschen entstehen kann, hat Lebendigkeit, weil der andere sich immer auch entzieht, immer auch anders antwortet oder anders handelt." Versteht man recht, erhöht Knappheit die Nachfrage auch im Zwischenmenschlichen. Den wiederum naheliegenden Einwand nimmt Rosa selbst auf dem Wege einer Generalklausel vorweg: "Das gilt für fast alles." Tatsächlich scheint Rosa auf Fragen zu antworten, die niemand stellt. Wie das kommt? Rosa hat vor einiger Zeit ein Büchlein über "Unverfügbarkeit" geschrieben. Er bewirbt es wie die Pandemie selbst: als eine Lernhilfe für fast alles.

 

 

Trump und Machiavelli - es zählt die Macht

 

Viele Politikexperten sind sich darin einig, dass US-Präsident Donald Trump (* 1946) mit seinem Verhalten keine ethischen

Ideale verfolgt, sondern auf reinen Machterhalt aus ist. Alle, die dem in die Quere kommen, werden von Trump in aberwitziger

Manier diskreditiert und aus ihren Ämtern entlassen. Vielleicht hat Trump sich für sein Tun und Handeln Rat beim italienischen

Philosophen Niccolo Machiavelli (1469-1527) und seiner Schrift »Der Fürst« (1531) geholt?

 

Dieses Buch ist deshalb in der Philosophie so skandalös, weil es die seit der Antike übliche Zusammengehörigkeit von Politik

und Ethik aufbricht. Darin gibt Machiavelli Tipps, wie ein Herrscher an die Macht kommen und sie ausbauen kann. Die

Grundlage für den Erfolg eines Herrschers sei es, einen unbedingten Machtwillen zu besitzen. Die Richtung seines

Werkes gibt Machiavelli vor, indem er schreibt: »Ein Mensch, der immer nur das Gute möchte, wird zwangsläufig zugrunde

gehen inmitten von so vielen Menschen, die nicht gut sind.« Deshalb rät Machiavelli dem Herrscher, wenn es im Interesse

der Machterhaltung ist, nicht davor zurückzuschrecken, »ein Fuchs« oder »ein Löwe« zu sein. Außerdem müsse er nicht gut

sein, wohl aber gut erscheinen, um beim Volk geachtet zu sein.